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Nr. 14/2015 von Mittwoch, dem 22. April 2015

Erste wissenschaftliche Studie über die Arbeitsbelastung von Erzieher*innen an Ganztags­grundschulen vorgelegt

GEW BERLIN fordert Konsequenzen aus den alarmierenden Ergebnissen zu ziehen

Prof. Dr. Bernd Rudow hat die erste Studie zur Arbeitsbelastung von Erzieher*innen an Berliner Ganztagsgrund­schulen vorgelegt. Diese Untersuchung wurde im Auftrag der GEW und der Max-Träger-Stiftung durchgeführt.

Doreen Siebernik, Vorsitzende der GEW BERLIN: "Der Berliner Senat  muss aus den Erkenntnissen dieser Stu­die dringend und zeitnah Konsequenzen ziehen. Die Personalausstattung der Grundschulen ist zu verbessern. Erzieher*innen brauchen verlässliche und ausreichende Zeiten für die mittelbare pädagogische Arbeit. Die Ganztagsgrundschule ist pädagogisch weiterzuentwickeln, denn Bildung ist weit mehr als Unterricht. Dazu brauchen wir ein verbindliches Bildungsprogramm. Es bedarf eines zukunftsfähigen Raumkonzeptes, denn Räume sollten nicht länger sowohl für den Unterricht am Vormittag als auch anschließend am Nachmittag genutzt werden. Aufgabe der Senatsbildungsverwaltung ist es, dafür Sorge zu tragen, dass die Arbeit der Erzieherinnen dieselbe Wertschätzung erfährt wie die der Lehrkräfte.  Die mangelnde Anerkennung ist ein zentraler Belastungsfaktor."

Diese Studie liefert nun erstmalig empirische Ergebnisse über die Arbeitsbelastung der Erzieher*innen und zeigt deren gesundheitliche Auswirkungen auf. So haben Erzieher*innen ein hohes Risiko an Burnout zu er­kranken: 13 Prozent der Erzieher*innen fühlen sich täglich emotional ausgelaugt und 16 Prozent sind durch ihre tägliche Arbeit "ausgebrannt". Die Studie zeigt auf, wie eng die strukturellen und organisatorischen Rah­menbedingungen der Berliner Ganztagsgrundschulen mit den körperlichen und psychischen Gesundheitsrisiken der Erzieher*innen zusammenhängen. Zu den Belastungsfaktoren zählen die Personalausstattung insbesondere in Verbindung mit den zu erledigenden Arbeitsaufgaben, dem Lärm, den nichtergonomischen Arbeitsbedingun­gen und den Raumproblemen. Die Erzieher*innen empfinden es als besonders belastend, dass sie vielfach für Aufgaben eingesetzt werden, für die keine personellen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden (z.B. das Vertreten von Lehrkräften). Gleichzeitig zeigt die Studie auf, dass Erzieher*innen aus ihrer Arbeit mit den Kin­dern und der Bedeutung ihrer Tätigkeit für das Leben der Kinder viel Kraft schöpfen können. Diese Ressource wird vielfach verschenkt. Zudem empfinden sich viele Erzieher*innen für die geleistete Arbeit nicht angemes­sen bezahlt.

Norbert Hocke, Leiter des Vorstandsbereiches Jugendhilfe und Sozialarbeit des Hauptvorstandes der GEW: "Die vorgelegte Studie über die Arbeitsbelastung von Erzieher*innen an Ganztagsgrundschulen hat bundesweite Bedeutung. Sie bietet wichtige Impulse, die beim weiteren Ausbau der Ganztagsschulen beachtet werden sollten. Die strukturellen Rahmenbedingungen haben große Auswirkungen auf die Gesundheit der Erzie­her*innen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sind die Arbeitgeber gut beraten, den Beruf attraktiv zu machen. Das Land Berlin ist Vorreiter bei der Einführung von Ganztagsschulen, und genau deshalb wurde die Studie hier durchgeführt. Aus den in Berlin gemachten Erfahrungen sollten beim Ausbau der Ganztagsschu­len in anderen Bundesländern Konsequenzen gezogen werden."

Hintergrund:

Die Studie wurde durchgeführt von Prof. em. Dr. rer. nat. habil. Bernd Rudow vom Institut für Gesundheit & Organisation (IGO) Viernheim/Hochschule Merseburg. An der Untersuchung beteiligten sich über 1.400 Erzie­her*innen aus Berliner Ganztagsgrundschulen. Dafür wurden Fragebögen zu ihren Arbeitsbelastungen und Ressourcen erstellt und ausgewertet.

 

Quelle:  GEW-Hauptvorstand, Ulf Rödde, Pressesprecher vom 22.04.2015

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